Lost Winter Day

Vor einiger Zeit hatte ich eine Kurzgeschichte geschrieben die ich immer mal als Fotoserie umsetzen wollte. Nun hat sich die Gelegenheit ergeben das nicht als Foto sondern gleich als kleinen Kurzfilm umzusetzen. Das umschreiben in ein Storyboard war gar nicht so einfach und es haben sich Location- und handlungsbedingt ein paar Änderungen ergeben. Geholfen haben mir dabei Simon und Marius, welche mir neben Tipps beim Schnitt und Colorgrading auch den Teil der Kamera abgenommen haben, da kurzfristig kein Model bzw. Schauspieler zur Verfügung stand und ich kurzerhand selbst vor die Kamera musste. Mit dem fertigen Ergebnis bin ich für meinen ersten Kurzfilm mehr als zufrieden, hier gibts das fertige Video:

Ein ganz besonderes Dankeschön geht an Jorge Mendez, dessen einzigarigen Song ich als Soundtrack nutzen durfte! Und für diejenigen die die Geschichte im Original lesen wollen, bitte schön:

Ein Windstoß fuhr durch seine Haare als er die Türe zum Treppenhaus öffnete. Es roch modrig, feucht, nach Urin. Schon öfters war er hier vorbei gekommen, stand unten mit dem Kopf im Nacken und blickte nach oben. Auch heute Morgen stand er dort, länger als zuvor. Die Wolken zogen schnell vorbei, der leichte Regen lief ihm dabei über das Gesicht. Grau in grau zeigte sich heute das Wetter, passend zu der Plattenbausiedlung. Der einzige Farbklecks in dieser tristen Umgebung waren die roten Betongeländer zwischen den Treppenhäusern. Von weitem sah es aus wie eine Leiter in den wolkenverhangenen Himmel.
Seine Schritte hallten im kahlen Treppenhaus. Jede Stufe auf diesem scheinbar endlosen Weg hinauf. Die Wände waren voll mit Kritzeleien aus Edding und Graffitis. Das Licht flackerte als ob jeden Augenblick der Strom ausfällt. Anonymität der Großstadt, schoss es ihm durch den Kopf. Verloren und alleine. Nicht das er keine Freunde hatte. Aber doch kam er sich einsam vor. Unverstanden in seinem Denken. Ungewollt in dieser Welt.
Den Weg nach oben hatte er sich anstrengender vorgestellt. Aber mit jeder Stufe die er seinem Ziel näher kam fühlte er Erleichterung. Die Last die er mit sich trug wurde mit jedem Schritt leichter. Die schweren Gedanken die er bis vor wenigen Augenblicken noch hatte schwanden. Wie Morgennebel der sich langsam in der Sonne löst. Die letzten zwei Stufen nahm er mit einem Mal. Die schwere Eisentür nach draußen öffnete sich wie von selbst.
Nun stand er oben, im 18 Stockwerk. Vor ihm lag der Stadtteil, der Regen plätscherte vor sich hin. Sein Blick streifte über die Häuser, die Autos die weit entfernt zu sehen waren. Keine Menschenseele war hier, außer ihm.  Er lehnte sich an das rote Geländer und blickte nach unten. Wie schnell wird sein Leben vor seinem geistigen Auge ablaufen müssen. Mit einem Satz sprang er auf die Brüstung. Das Rot unter seinen Füßen wirkte wie eine Stop-Linie.
Ein Windstoß fuhr durch seine Haare als er den Schritt ins nichts tat.